Dienstag, 10. März 2015

Tanzetikette - Teil 1

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das mich schon lang immer wieder beschäftigt. Es geht um das Auffordern zum Tanz und die Reaktionen von dem Gegenüber.
Wahrscheinlich liegt es an meiner doch etwas konservativeren Tanzschulerziehung, doch finde ich es noch immer nett und schmeichelnd, wenn mich ein Herr formvollendet auf das Tanzparkett bittet. Stets bemüht, dem Leben eine Chance zu geben und vielleicht auch Unerwartetes zu entdecken, freue ich mich, viele unterschiedliche Tanzpartner erfahren zu dürfen und versuche demnach jedem, gerne und mit Freude zumindestens für einen Tanz auf die Fläche zu folgen.

Darüber hinaus möchte ich dem anderen für seinen Mut, auf einen Menschen zuzugehen, danken und ihm Wertschätzung entgegenbringen. Deswegen wird es selten vorkommen, dass ich einen Tanz ablehne. (Ausnahmen sollen mir bitte verziehen werden)
So weit so gut...doch kommt es zu verschiedenen Hürden, die mich oft des längeren beschäftigen. Zum einen ist es ja heute so üblich, dass auch die Damen die Herren  zum Tanz bitten, und damit der Forderung nach Gleichberechtigung den Herren in ihrer "Aufgabe" folgen.
Ich finde es toll, dass nun jeder und jede sich frei fühlen darf, den anderen um ein gemeinsames Tänzchen zu fragen.:-)

Dennoch merke ich selbst wie viel Überwindung es mich manchmal kostet, auf einen für mich oft fremden Herren zuzugehen, und umso überraschter bin ich, dass ich vor allem in den letzen Jahren immer öfter "Körbe" kassierte. Meistens ein wenig sprachlos bleibe ich dann in einer Wolke der Verwunderung stehen, die mich dennoch Gott sei Dank meist  zum nächsten Tänzchen trägt.

Bitte versteht mich nicht falsch, jeder bzw. jede hat natürlich das Recht, eine Aufforderung abzulehnen, doch finde ich es nett, es wenigstens kurz zu begründen....vielleicht auch zu einem besseren Zeitpunkt in Folge auf den anderen zuzugehen...ja genau..das ist....
Lehne ich einen Tanz ab, versuche ich bei nächster Gelegenheit - wenn es mir besser geht, ich wieder bei Atem bin, auf der Toilette war oder etwas getrunken habe - genau diesen Tanzpartner aufzusuchen, um mit ihm den abgelehnten Tanz nachzuholen.
Spreche ich mit den TänzerInnen um mich herum, kommt dies oft nicht vor und der, der fragt, wird bei einer Ablehnung eher verwundert zurück gelassen und später auch keines Wortes oder Blickes gewürdigt.

Dieser Text soll keine Belehrung sein sondern vielmehr zum Nachdenken und vielleicht auch Umdenken anregen. Der Tanz lebt vom Miteinander, vom Austausch, vom Mut und von der Begegnung. Oft kann ein Tanz mit jemandem, den man vorher eher ausgeschlossen hat, zu einem wundervollen Erlebnis werden.

Und auch wenn dies nicht der Fall ist, so investiert man 3 Minuten in die Wertschätzung des anderen und kehrt mit einer Erfahrung reicher von der Tanzfläche zurück. Wir verschwenden oft so viel Zeit, sodass ich Tanzzeit mehr als eine Investition statt als Verlust sehe.
Dennoch möchte ich noch eine andere Seite beleuchten. Es ist nämlich auch das Feingefühl des Aufforderes gefragt, Situationen zu beobachten und damit abzuschätzen, wann denn der richtige Zeitpunkt für die Tanzanfrage wäre.

Befinden sich zwei Menschen in einem intensiven Gespräch, zueinander gewandt und eng beieinander stehend, finde ich es auch nicht besonders höflich, in diese Situation zu platzen und den einen oder die andere nach einen Tanz zu fragen.

Erstens stört man und zweitens bringt man den oder die Gefragte in eine unangenehme Situation. Ich weiß - es ist leichter gesagt als getan - aber das Beobachten und sich selbst nicht immer so wichtig nehmen schult ein wenig den Blick dafür, wer tanzbereit ist oder nicht.:-)

Trotz all der Hürden und vielleicht auch oft "falschen" Zeitpunkte wünsche ich mir, dass wir Menschen einfach mehr kommunizieren. Denn ein ausgesprochenes liebevolles und dennoch ehrliches Wort schützt vor so manchen peinlichen Situationen und hält auch die Tür für einen späteren Tanz offen.:-)

P.S: Wäre ich der damaligen Aufforderung von Dado zum Tanz nicht durch diese Einstellung gefolgt, hätte wir uns wahrscheinlich nie näher kennengelernt.;-)

Kommentare:

  1. Wahnsinn: Das gibt's wirklich, dass jemand ein Tanzangebot von dir ablehnt? Völlig unvorstellbar für mich... Ich würde nie auf so eine unverhoffte Genuss-Gelegenheit verzichten wollen.

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