Freitag, 29. April 2016

Der Kreislauf des Lebens, Liebens und Arbeitens!

Interessante Gespräche und Situationen bringen interessante Gedanken hervor, die ich gerne mit euch teilen möchte. Vielleicht auch deswegen, um zu sehen, ob der eine oder andere ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder eine gar gegensätzlich Meinung dazu hat.

Oft höre ich die Überzeugung, dass man Privates und Berufliches komplett getrennt sehen kann. Bedeutet, dass es sozusagen ein privates ICH und ein berufliches ICH gibt, das sich immer und je nach Situation bzw. Umgebung abwechselt.

Auch im Tanz könnte man meinen, dass es ein Tanz ICH und die restlichen ICHs gibt. Somit ist die Art und Weise, wie man tanzt nicht aussagekräftig dafür, wie man in seinen restlichen Lebensbereichen handelt.

Nach mittlerweile 20 Jahren im Tanzgeschehen und davon 18 im Unterricht kann ich zumindest im Tanz einen breiten Erfahrungsschatz an Situationen, Beobachtungen und Begebenheiten mitgeben, die das Gegenteil beweisen.

Den berühmten Satz "Du bist, wie du isst!"  könnte man durchaus umwandeln in "Du tanzt, wie du Konflikte löst" oder  "Du lebst, wie du liebst!" oder "Du arbeitest, wie du das Leben siehst"

Im Tanz kommen der Beobachtung nach die URINSTINKTE des Menschen zum Vorschein. Beginnt jemand zu tanzen, wird er mit seinen Ängsten, seinem Konfliktpotential, seiner Selbst- und Fremdliebe sowie mit seiner Offenheit (oder auch nicht vorhandenen Offenheit ;-)) konfrontiert.

Der Tanz ist wie ein Spiegel, der dir zeigt, wo du stehst, wie du liebst, was du tief in deinem Inneren denkst, und wie du mit anderen umgehst.

Genau dieser Spiegel bietet dir aber auch die Möglichkeit, dich selbst zu erkennen und daraus dein Verhalten und deine Sehnsüchte, Wünsche sowie Interaktionen mit deiner Umwelt bewusst zu begreifen, um dann auch eventuell zu verändern.

Oft kommt mir der Gedanke, dass es wie das JOHARI-FENSTER wirkt. (1955 von den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham entwickelt)
Wer mehr darüber nachlesen möchtet findet das zum Beispiel hier:
Johari-Fenster – Wikipedia

Mittlerweile stehe ich am Ende meines zweiten Managementstudiums und durfte dadurch tiefere Einblicke in erfolgreiche Manager, Unernehmensstrukturen, Leadership und andere Themen gewinnen. Nach 10 Jahren als "Chefin" in unserer Tanzschule sind auch in diesem Bereich die Erfahrungen durchaus zahlreich, die zeigen, wie der Mensch in der Arbeit, privat, bei Konflikten, im Team und in der Interaktion mit Gruppen und einzelnen Menschen handelt.

All das und meine Liebe zur Beobachtung lassen mich nun eine Behauptung aufstellen, die weder bewiesen noch jemals tatsächlich geprüft sondern vielmehr für einen selbst einen Gedanken darstellen könnte, der sich und das Leben und vielleicht auch die damit verbunden Zukunft in ein anderes Licht rückt.


Du lebst, wie du liebst. Du liebst, wie du arbeitest. Du arbeitest, wie du Konflikte löst. Du löst Konflikte, wie du dich selbst siehst. Wie du dich selbst siehst so tanzt du. Wie du tanzt, so lebst du!


Ja, ich weiß, dieser Gedanke ist zuerst erschreckend. Er macht dir Angst, denn er lässt vermuten, dass man Privates und Berufliches, die Fähigkeit zu Lieben und das Leben an sich nicht trennen kann.

Ja, es macht dir Angst, denn es könnte bedeuten, dass obwohl alles funktioniert, dennoch das System, das du dir aufgebaut hast, einen Fehler hat. Nämlich den, zutiefst erfüllt, glücklich und zufrieden zu sein.

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich persönlich sehr mit diesem Thema, weil es auch mich bzw. uns selbst betrifft.
Wir leben unsere Arbeit und verbinden das mit unserer Liebe zueinander und zum Tanz. Wir leben sozusagen ein ALL IN ONE Prinzip. ;-)
Dass das nicht immer leicht ist, liegt auf der Hand. Jedoch zeigt es ganz deutlich, wenn man mal von seinem Weg abkommt. Es ist somit ein Indikator für das, was im Inneren versteckt ist und man manchmal selbst nicht sehen möchte.

Sicher werden jetzt viele aufschreien, die meinen, dass dieser Ansatz durchaus nicht im "harten Business" gültig ist. Na und? Wer kümmert sich um das "harte Business"? Dieses ist nur da um Geld zu machen. Aber ist das alles? Geld und Status sind nur so lange wichtig, bis man sie hat. Dann tritt aber eine ganze andere Disziplin auf - die Erfüllung!
Wenn man Erfüllung spürt, während man an einem Projekt arbeitet (egal welcher Art), werden Geld und Status ziemlich hinten angereiht. Heisst natürlich nicht, dass sie unwichtig werden, aber zumindest nicht vorrangig. Dadurch profitiert nur unser ganzes Leben, wie Dado immer sagt. :-)

Ich sehe auch verschiedenste Menschen, die in gleichen Positionen mit dem selben Erfolg aber einer gänzlich unterschiedlichen Vorgehensweise das Gleiche bewirken. Allerdings nur in der jeweiligen Sparte, die sie gerade "bedienen". Nämlich derjenige, der den ganzheitlichen Zugang zur Materie hat, den ALL IN ONE Gedanken, der geht mit dem Lächeln durch die Gegend und macht Happy Dance, wenn das Projekt aufgeht. Der andere geht das nächste Projekt an, in Hoffnung, dort bekommt er mehr Geld und mehr Erfolg. Davon wird man nie satt, wenn das deine Priorität ist... Bis man plötzlich platzt, ohne es vorher zu merken...
Ich spreche hier von der ganzheitlichen Erfüllung und nicht von der Erfüllung eines Mikrokosmos in uns. Ich spreche von einer Erfüllung, die auf unser ganzes Leben ausstrahlt.

Somit liegt die Vermutung nahe, dass auch dieser Kreislauf gegeben ist.
Beobachte dich, wie du arbeitest, und du wirst erkennen wie du liebst. Beobachte dich, wie du liebst, und du wirst wissen, welche Arbeitsweise dich erfüllt.

Ich begegne so vielen Menschen, die Angst vor wirklicher Nähe haben. Die Angst davor haben, tatsächlich berührt zu werden - berührt nicht nur im körperlichen Sinne, sondern berührt an einem Punkt der tiefer ist. Manche mögen es "das Innere" nennen, manche "die Seele", manche auch "das Herz". Aber gemeint ist immer das Gleiche.

Ja, diese Berührung macht verletzlich. Ja, diese Berührung ist riskant. Ja, diese Berührung lässt dich einmal gespürt nicht wieder los.
Dennoch ist sie nur so lange "eine Gefahr", so lange man sie nicht in das gesamte Leben integriert. Hat man sie einmal gefunden, und lässt man sie sich ausbreiten, so wird alles mit einer Zufriedenheit gefüllt, die die Angst auflöst und die Gelassenheit fördert.
Es ist die Sehnsucht nach dieser Berührung, die uns Menschen zu verschiedenstem Handeln bringt. Ob als Angst, ihr zu begegnen, oder als Antrieb, sie zu finden.
Doch sie ist schon da, genau jetzt, in deinem Inneren.

Der Tanz gibt dir die Möglichkeit, diese Berührung zu finden, dich selbst zu finden. Und er bietet dir Gelegenheiten, die Lust des Lebens und die Begegnung mit anderen Menschen auszuleben.
Der Tanz ermöglicht dir, all diese Erfahrungen in dein "ICH" zu integrieren und in den Alltag, in den Beruf und in die Liebe mitzunehmen.

Dieser Text soll eine Aufforderung sein, seine Entscheidungen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und diese zu hinterfragen. Es könnte eine Chance bieten, den Weg ein wenig zu korrigieren, den Blick für das Wesentliche zu öffnen und damit die Möglichkeit geben, tiefe Zufriedenheit zu spüren.

Alles Liebe,
Conny





Samstag, 26. März 2016

Die eine Sache, die in unserem (Tanz) Leben immer mehr an Bedeutung gewinnt!

"Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt." (Mahatma Gandhi)

Dieses Zitat beschäftigt mich schon sehr lange. Doch vor allem in den letzten Jahren gewinnt es für uns immer mehr an Bedeutung.

Sei für wenig das, was du dir für alle wünscht...ein Satz der tiefer geht, als man zuerst vermuten lässt.

In Zeiten wie diesen, in denen die Nachrichten voll von schrecklichen Dingen sind, in denen Menschen oftmals mehr auf sich selbt als auf die Gesamtheit der Welt schauen, schleicht sich eine Verzweiflung, ja sogar eine Hilflosigkeit in das Herz.

Was soll man tun? Wie kann man etwas bewirken? Ist man nicht selbst zu klein, um tatsächlich eine Veränderung hervorrufen zu können?

Auch ich ertappe mich oft in einer Art Erschöpfung, ja fast Verzweiflung, weil vieles so sinnlos erscheint. Doch dann fällt mir immer wieder ein weiterer Satz vom Dalai Lama ein:

"Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist." (Dalai Lama)

Genau diese Gedanken sind es, die wieder motivieren, aufzustehen und weiterzumachen!
Ja, es sind gerade die täglichen Kleinigkeiten, die die Welt gestalten. Ein Lächeln zu einem Fremden, die Hilfe für deinen Nachbarn, die Freude, die du in die Welt strahlst, der gute Gedanke, der dich vorantreibt.
Denn all das ist ansteckend! Es wird deine Umwelt spüren und motivieren. Ganz unbemerkt und ohne großes Aufsehen greift es um sich und wird Hoffnung spenden, Kraft geben und zum Umdenken führen.

Nicht jeder Mensch wird das Gleiche geben oder in diese Welt streuen. Jeder soll das geben, was in ihm steckt.
Die einen werden die Welt mit schöner Musik füllen, die anderen mit inspirierender Kunst, die nächsten werden ein Hilfswerk auf die Beine stellen, der nächste seine Kinder zu freundlichen Menschen erziehen, wieder ein anderer wird in der Politik kämpfen, ein weiterer Menschen zu mehr Selbstbestimmung verhelfen, der nächste wird sich für die Erhaltung der Natur einsetzen, wieder jemand für den Tierschutz usw.

Und wir selbst sehen den Tanz als eine Form, Freude, Besinnung, Harmonie, Einfühlungsvermögen, Toleranz und ein Miteinander weiterzugeben.
Wir geben das, was in uns steckt und hoffen, damit die Hoffnung und das Lächeln in die Welt zu tragen....Generationen, Völker und verschiedenste Gesinnungen zu verbinden - Ausgrenzung zu vermeiden - Inklusion zu leben!

Jammern verändert nichts! Rufe das in der Welt hervor, was du verändern möchtest. Du möchtest mehr Inklusion, lebe sie, mehr Menschenliebe, lebe sie, mehr Lachen, lache!
Es klingt so einfach und ist so schwer aber dennoch möglich!

Bevor ich abschließe, möchte ich euch noch eine Begebenheit von unserem Aufenthalt letzte Woche in Verona erzählen.

Normalerweise stehen wir im Urlaub eher selten früh auf. Aber am ersten Tag in Verona konnten wir beide nicht schlafen und so landeten wir bereits um 9.OO Uhr auf den Straßen.
Wir kamen zu einem Platz (Piazza Erbe), auf dem auf einmal ein Klavier Flügel stand. Ein Mann spielte darauf wunderschöne Melodien. Es war so ein magischer Moment... Der riesen Platz, die ersten Sonnenstrahlen und dann diese Musik.

Wir haben uns dort hingesetzt und fast eine Stunde dem Spiel gelauscht. In diesen Momenten kam mir das Sprichwort von Mahatma Gandhi wieder in den Sinn. Ja, auch er ist die Veränderung in der Welt. Er füllt einen alltäglichen Ort mit wunderschöner Musik, die die Menschen zum Lächeln und Nachdenken einlädt. Eine Musik, die das Herz berührt. Kurz kam mir der Gedanke, ob in diesem Moment Menschen auf diesem Platz eine Chance hätten, etwas Schreckliches zu tun. Ich weiß es nicht, aber es erscheint mir möglich, dass diese magische Musik auch den Lauf der Dinge verändern könnte...


Und auch dort haben wir einfach begonnen zu tanzen...es war wirklich ein wunderschöner Augenblick:
Conny & Dado dancing Tango in the streets of Verona


Ostern ist für mich persönlich das Fest der Hoffnung, dass das Unmögliche möglich wird.
Und so wünsche ich uns allen, dass wir diese Hoffnung nicht verlieren und mit dieser im Herzen, jeden Tag aufs Neue gestalten.

Wir wünschen euch ein frohes Osterfest und ein wunderschönes Wochenende gefüllt mit Lachen und Herzlichkeit!

Dance and make a difference!
Conny

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Frohe Weihnachten...

"Wir müssen unseren Nächsten lieben, entweder weil er gut ist oder damit er gut werde."
Augustinus Aurelius (354 - 430)

Obwohl wir persönlich das Wort "müssen" selten in den Mund nehmen, hat uns dieser Spruch, der mehr als 1500 Jahre alt ist, sehr berührt.

Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen der Weg in ein friedliches Miteinander von Menschen und Kulturen zu kippen scheint, gewinnt diese Zeile zunehmend an Bedeutung.
Wer möchte schon ein Leben in Angst und Hass führen? Wer möchte seine Freiheit missen?
Wer genießt es nicht Familie, Freunde und Lachen um sich zu haben?
Unabhängig davon, ob man die Tradition oder den Glaube schätzt, ist es die Hoffnung, die einen trägt.
Weihnachten könnte einer von diesen Momenten sein, der die Hoffnung wieder stärkt.
Ein Moment, der das DU und das WIR über das ICH stellt. Ein Moment, der berührt und den Funken wieder neu entfacht.
Genau das ist Weihnachten für uns...ein Moment der Liebe, der Dankbarkeit, des Innenhaltens und der Hoffnung.

Dennoch ist es unser Wunsch, dieses besondere Gefühl, den Gedanken und die die Dankbarkeit an diesem Tag in den Alltag mitzunehmen und sich immer wieder neu dafür zu entscheiden, diese Momente öfter als einmal im Jahr zu leben.
Der Tanz hilft uns persönlich dabei, denn auch der Tanz gibt die Möglichkeit, sich zu begegnen und die Freude, Liebe und Hoffnung zu spüren.

In diesem Sinne wünschen wir allen besondere Augenblicke, die das Herz mit Freude und den Raum mit Lachen erfüllen...besondere Augenblicke, die den Alltag inspirieren und immer wieder neu an das Wesentliche erinnern.
Frohe Weihnachten...
Eure Conny & Euer Dado


Freitag, 28. August 2015

Veränderung Teil 2 oder der Kampf mit sich selbst...

Aufgrund einiger persönlicher Zuschriften und Kommentare zu meinem gestrigen Artikel ist es mir ein besonderes Anliegen, noch eine kleine Ergänzung zu schreiben.

Die nächsten Zeilen haben nicht eine fiktive Erkenntnis zum Inhalt, sondern sie sind mein/unser Erfahrungsbericht der letzten Jahre. Ich lasse euch sozusagen mal kurz unverblümt in mein Inneres schauen.;-)

Warum?

Weil ich nicht möchte, dass man denkt: "Naja, die hat ja leicht reden." oder "Zwar schön gesagt, aber wie soll ich das umsetzen?"

Ein altes indianisches Sprichwort besagt "Urteile nie über einen anderen, bevor du nicht einen Mond in seinen Mokassins gelaufen bist."

Genau so sehe ich es, niemand kann deine eigene Situation beurteilen außer du selbst.

Der gestrige Artikel ist vielmehr eine Selbstreflexion und Erinnerung an mich!

Die letzten Jahre waren für mich persönlich sehr hart. Vor allem in den letzten zwei habe ich mit mir gekämpft, vieles in Frage gestellt, meine/unsere Entscheidungen immer wieder hinterfragt und mich in einer Art Karussell gesehen, aus dem man nicht aussteigen kann.

Jeder, der selbständig ist, eine Familie hat, in seiner Arbeit aufgeht und von vielen Menschen umgeben ist, weiß, wovon ich spreche.

Auch wenn ich nicht mit vielen über diese Ding spreche, die mich tatsächlich belasten, weil ich der Meinung bin, dass nicht die ganze Welt an meinen Kämpfen teilhaben muss, müssen es doch immer wieder mein lieber Mann, meine Familie, meine engsten Freunde und Teammitglieder ertragen. ;-)

Ich habe mich gefangen gefühlt, weil ich mein bestes geben möchte, weil ich von einer "besseren" Welt träume, weil ich helfen möchte, weil ich niemanden weht tun will, weil Zeit eine begrenzte Ressource ist, weil ich kaum NEIN sagen kann, weil ich zu jedem/jeder finanziell gerecht sein möchte, weil ich jedem/jeder Wertschätzung entgegen bringen will, weil wir Projekte nicht aufgrund von finanziellen Komponente auswählen möchten, weil soziale Heucheleien und Unehrlichkeiten mich belasten und weil ich bemerkt habe, dass ich mich selbst immer wieder ein wenig verliere.

An diesem Punkt fällt es leicht, allen möglichen Komponenten und Menschen die Schuld für dieses Dilemma zu geben. Sei es die Umgebung, die dauernd an einem zieht, der Körper, der auf einmal nicht mehr mitmachen möchte oder die Ereignisse, die einen zwingen, Dinge zu tun, die man eigentlich gar nicht möchte.

Ich habe mich intensiv mit mir selbst auseinander gesetzt und versucht, mich sehr ehrlich zu reflektieren. Ehrlich zu mir selbst zu sein. Und das ist weder schön noch angenehm.
Es ist zunächst einmal ziemlich gemein und man verfällt schnell in den Rückzug.

Erst an dem Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass meine Lebensfreude darunter leidet, und mein Körper immer mehr Zeichen gibt, nun mal endlich etwas zu verändern...war es soweit. 

Ich habe eingesehen, dass die einzige, die etwas an meiner Situation verändern kann, ich selbst bin!

Die Veränderung entsteht in dir, und sie wird die Welt verändern!




ich lerne von Dado und lass ein paar Zeilen frei zum Verdauen.:-)


So...aber warum fällt diese Veränderung so schwer? 
Für mich selbst habe ich heraus gefunden, dass es die Konsequenzen sind, die mir Angst machen.

  • Geht man seinen eigenen Weg, wird man es nicht allen recht machen können. Das kratzt am Ego und ist unangenehm. Man wird dadurch nicht von allen gemocht werden.
  • Menschen, die man gerne bei sich haben würde, könnten sich abwenden und gehen.
  • Es ist oft anstrengend und kostet lästige Überwindung.
  • Man stoßt an seine Grenzen und erkennt, dass man selbst auch "nur" ein Mensch ist.
  • Und natürlich hat man Angst zu versagen, und/oder finanziell in den Ruin zu stürzen

Aber ich sage es euch aus meiner eigener Erfahrung...all das ist es wert!

Es ist es wert, glücklich zu sein!
Es ist es wert, das Leben schön zu finden!
Es ist es wert, dass es einem gut geht!

Denn die Konsequenz daraus ist, dass man dann noch viel mehr auf der Welt bewirken kann.
Erst wenn es einem selbst gut geht, kann man anderen helfen!

Das erinnert mich immer an die Anweisungen im Flugzeug, erst sich selbst die Sauerstoffmaske überzuziehen, bevor man Kindern und anderen Mitreisenden hilft.

Ja, es ist es wert, all die Kämpfe mit sich selbst, all die Überwindung und all die unangenehmen Dinge, durch die man die angenehmen erreicht!

Hui..der Text ist jetzt länger geworden, als ich es wollte. Aber es ist einfach aus mir heraus gesprudelt.

Conclusio: Ich versuche mich täglich an mein selbst Geschriebenes zu erinnern und nicht zu vergessen, wenigstens einen kleinen Minischritt in die Richtung zu gehen.
Nur ein Minischritt reicht, um die Hoffnung und den Glauben nicht aufzugeben!

Man könnte diesen Minischritt ja auch tanzend zurück legen...so versuche ich es oft.:-)

Ich kämpfe jeden Tag, so wie alle anderen!

Deswegen freue ich mich so, wenn wir uns gegenseitig unterstützen können. 
Und ja... reden darüber hilft...;-)

Denn...wieder einmal...zusammen sind wir gemeinsam!:-)




Sonntag, 23. August 2015

Die Sehnsucht nach Veränderung, und wie man sie einfach erreicht.

Das Leben ist durchaus eine Herausforderung und immer wieder wird mir bewusst, wie viel Mut es braucht, um mit sich im Reinen und ausgeglichen zumindest den Großteil des Tages zu erleben.

Wenn man junge Menschen sterben sieht, in unglückliche Gesichter blickt, lieblose Beziehungen fühlt oder auch Konfrontationen miterlebt, dann bekommt das Wort MUT eine komplett andere Bedeutung. Es steht für den Willen und die Kraft, etwas zu bewirken und sich selbst bzw. seinem inneren Kompass zu vertrauen.

Es fängt mit dem Mut an, zu sich selbst und zu anderen ehrlich zu sein und endet mit dem Mut zu vertrauen, dass alles kommt, wie es kommen soll.

Doch warum ist es oft so schwer, ein erfülltes Leben zu führen, seine Sehnsüchte auszuleben und seinem inneren Wegweiser zu folgen. Warum ist es so schwer, die Veränderung zuzulassen und nicht nur zu jammern?

Ist es das Verantwortungsgefühl anderen gegenüber oder die Angst zu versagen, die uns oft zurück halten?  Sind es die Wege, die einmal eingeschlagen, unveränderlich wirken, oder ist es der Drang, eine einmal gefällte Entscheidung nicht mehr abzuändern?

In unserer Tanzschule begegnen wir vielen Menschen und vielen Lebensgeschichten. Wir dürfen begleiten, zuhören und miterleben, in welchen Beziehungen sie sich befinden.
Oft ist es mir unbegreiflich, warum man Situationen als unveränderbar ansieht.

Bist du glücklich? Nein? Dann finde heraus, was dich glücklich macht und folge deinem Herzen.

Jetzt würde der Dado sagen: "Klingt einfach, ist es auch!" ;-)

Ein Vorschlag, wie ich das angehen würde:

Schreibe eine Liste mit 5 Dingen, die dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. (und ich meine jetzt nicht etwas Materielles;-))
Wenn du diese Liste hast, dann nimm dir ein Mal pro Tag Zeit, eines dieser 5 Dinge in die Realität umzusetzen.
Vielleicht findest du im Laufe der Zeit, 10, 20 oder noch mehr Kleinigkeiten, die dich glücklich machen...und ist man einmal in Übung, dann fällt es gar nicht so schwer, nicht nur eine Sache pro Tag sondern vielleicht auch mehrere umzusetzen.

Aber essentiell ist eine Kleinigkeit pro Tag!:-)


Hast du Sehnsüchte? Ja? Dann entdecke, wie du sie leben kannst.

Eine Möglichkeit, die zum Ziel führen könnte:

Auch hier hilft eine kleine Liste, die man immer dann betrachtet, wenn Entscheidungen anstehen...
Nimm dir vor, deine Entscheidungen unter Rücksicht auf deine Sehnsüchte zu treffen. So kommst du ihnen von Entscheidung zu Entscheidung ein Stückchen näher.;-)

Möchtest du etwas verändern? Dann setze EINENE ERSTEN Schritt in die richtige Richtung.

Wegweiser:

Doch wie findet man die richtige Richtung?
Nimm dir 5 Minuten Zeit, stelle dir die Veränderung genauso vor, wie sie in der Endausbaustufe sein soll...mit jedem Detail...schließe die Augen und lass alles vor deinen Augen erscheinen, als wäre es schon da.
Nun stelle deine jetzige der gewünschten Situation gegenüber. Nun visualisier den Weg, der dich deine gewünschte Veränderung erreichen lässt.
Es ist egal, wie lange der Weg dorthin dauert. 

Es ist nur wichtig, jeden Tag ein kleines Schrittchen in die gewünschte Richtung zu gehen.

Um es noch anschaulicher zu machen, hier ein paar Beispiele:

Du möchtest abnehmen? Reduziere nicht gleich alles.
Beginne mit einem Lebensmittel, von dem du weißt, dass es dafür nicht nützlich ist.
Lasse z.B. mal alle süßen Säfte weg, oder das Bier am Abend. Dann einmal das Brot und etwas später dann die Schokolade.


KLEINE SCHRITTE, GROSSE ZIELE... wie Dado zu sagen pflegt.

Du möchtest mehr für deinen Körper tun? Integriere eine kleine Übung beim Zähneputzen. Stell dich während des Zähneputzens auf ein Bein, dann auf die Zehenspitzen.
Baue immer weitere kleine Übungen in deinen Alltag ein und verknüpfe sie mit alltäglichen Handlungen.
Du wirst sehen...es fühlt sich von Tag zu Tag leichter an.;-)
Nimm die Stiegen statt des Lifts, geh zu Fuß statt das Auto zu nehmen oder pack wieder dein Fahrrad aus. Es sind die kleinen Dinge, die dich langsam aber stetig verändern werden.

Auch wenn du dann mal keine Zeit hast, und viele Übungen kommen und gehen werde, behalte dir auf jeden Fall EINE EINFACHE PRO TAG, die dich nicht mehr als 5 Minuten kostet! :-)

Vielleicht ist der Mensch, nach dem du dich sehnst nur einen Anruf, ein SMS oder eine Mail weit weg. Vielleicht gilt es, einfach nur einmal den ersten Schritt zu setzen.

Du möchtest einen Halbmarathon laufen. Starte mit einer Distanz, die dir leicht fällt. Wiederhole sie aber so oft wie möglich. Du wirst sehen, die Distanz wird sich fast wie von selbst vergrößern.

Du möchtest GUTES tun, weißt aber vor lauter Krisensituationen auf der Welt nicht, wo du anfangen sollst.
Starte mit dem Nachbarn, dem nächstgelegenen Flüchtlingsheim, dem Bettler, den du jeden Tag auf der Straße siehst oder auch dem Megaphon-Verkäufer vor einem Einkaufszentrum.

Suche dir Menschen, die das leben, was du erreichen möchtest, die gleiche Wege gehen...denn zusammen ist man gemeinsam...und alles geht leichter. (schon wieder ein Spruch von Dado;-))

Ja ich weiß, es ist leichter gesagt als getan.
Aber ich selbst versuche damit schon seit Jahren immer wieder mein Leben in die Bahnen zu lenken, die mich erfüllen.
Es funktioniert nicht immer, und oft ist es richtig zum Verzweifeln.
Aber es funktioniert immer besser und besser.

Dein Funke wird um sich greifen...

In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke. (Mark Twain)


Sei mutig, nehme deine Sehnsüchte ernst, denn die sind es, die dich zu einem glücklichen und erfüllten Leben führen...

Denn die Veränderung entsteht in dir, und sie wird die Welt verändern...


Aufmerksamkeit...

...ist die Fähigkeit, eine Weltanschauung für wahrzunehmen, die einem unmöglich erscheint.

(Conny)

Sonntag, 26. Juli 2015

Das Ego des Tänzers...

Vor kurzem durfte ich einen Artikel in Englisch lesen, der mich dazu inspiriert hat, diesen Beitrag zu schreiben.

Das Ego ist unser wertvoller Begleiter. Es hilft uns,  zu überleben, auf uns aufzupassen,  das Selbstwertgefühl zu kreieren, Selbstvertrauen zu tanken und die Welt aus einer Ich-Perspektive wahrzunehmen.

Das Ego ist ein Teil von uns, der wichtig ist, um in einer Welt wie dieser zu Recht zu kommen.
Doch wie groß darf der Ego-Teil in uns werden, ohne dass er uns (ver-) blendet, uns behindert, aus Selbstwert Eitelkeit entstehen lässt und das Ich über das  Wir stellt?

Vor allem als Tänzer wird man sehr schnell und oft mit diesem Thema konfrontiert. Der Tanz bietet Möglichkeiten, dich als Person zu stärken. Er gibt die Selbstvertrauen und lässt dich scheinen.

Bei den meisten Menschen wachsen demnach mit dem Tanzkönnen nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, die Freude mit der Musik, die Körperwahrnehmung, der Figurenreichtum sondern auch das Ego.

Soweit so gut.

Leider hat jedoch das Ego die Fähigkeit, oft schneller zu wachsen als der Rest. Somit überholt es über kurz oder lang das Tanzkönnen, die Freude, den Selbstwert und wird zum Leiter deines Tuns.

Was daraus resultiert ist häufig nicht nur für die Umwelt herausfordernd, sondern auch für einen selbst sehr negativ.

Aus einem stärkenden und überlebenswichtigen Begleiter wurde auf einmal ein behindernder und oft auch zerstörender Geist.

Aus einem Freund wurde ein Feind...

Doch wie erkennt man den Punkt, der das Verhältnis von Ego und Selbstreflexion zum Kippen bringt?

Anzeichen dafür sind auf das Tanzen bezogen, wenn man glaubt, nichts mehr lernen zu können, wenn man Tanzstile, Meinungen oder auch andere Sichtweisen negiert oder wenn man z.B. der Meinung ist, mit einem „schlechteren“ oder „nicht passenden“ Tanzpartner nicht zumindest einen Tanz genießen zu können.

Der Genuss und die Freude unabhängig von Können und Leistung sind ein wundervoller Bezugspunkt.

Wächst das Ego nämlich über das Tanzkönnen hinaus, verhindert es ein Weiterlernen, die Weiterentwicklung und damit auch die Vergrößerung des Tanzkönnens.

Unserer Meinung nach liegt der Unterschied zwischen Lehrer und Schüler hauptsächlich in der Anzahl der Erfahrungen.

Für uns ist ein guter Lehrer der, der versucht bestmöglich, seine Erfahrungen und sein Können weiter zu geben aber natürlich auch den Schüler inspiriert, seine eigenen Erfahrungen zu machen.

Möchte man ein Ziel definieren, so ist dieses für uns, dass der Schüler genauso gut, wenn nicht sogar besser als der Lehrer wird.
Wäre das nicht der Beweis dafür, dass man wirklich ein guter Lehrer ist?

Nach meiner nun mittlerweile 18 jährigen Unterrichtserfahrung und den Beobachtungen daraus, ist das Ego jedoch oft der Punkt, der den Schüler daran hindert ab einem gewissen Level besser zu werden.

Entweder das Ego wächst nicht mit – somit puscht es nicht und kreiert nicht das Selbstvertrauen – oder das Ego wächst überproportional zum Tanzkönnen und verhindert damit auch ein Weiterkommen.

Gerade deswegen ist es uns ein Anliegen, auch diese Beobachtungen zu thematisieren, um zur Selbstreflexion zu motivieren und zu sensibilisieren.

Gemeinsam zu wachsen ist wunderschön und zu scheinen macht die Welt wohl zu einem helleren und freundlicheren Ort.

Dennoch sollte für uns der Schein aus der Freude im Inneren heraus entstehen...aus der Freude über sich selbst  aber auch über andere Menschen.
Zu Scheinen aufgrund von Präpotenz, einem Minderwertigkeitsgefühl heraus oder aus Unachtsamkeit anderen gegenüber, wird auf Dauer nicht glücklich machen.

Deswegen lasst den Tanz ein wunderschönes Mittel sein, um in sich zu wachsen und sich und anderen das Leben schöner zu gestalten.

Versuchen wir aber bewusst den Tanz als Mittel zu Macht sowie als Mittel von Abgrenzung und Begrenzung zu vermeiden.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, unser Ego wert zu schätzen aber darauf zu achten, dass es NUR EIN Teil von uns ist, der uns nicht komplett einnehmen sollte.


Denn glücklich ist der, der erkennt, wie viel er weiß, um zu wissen, dass er nichts weiß...wie schon Sokrates zu sagen pflegte.;-)

Samstag, 13. Juni 2015

Tanzen mit dem Mut zur Lücke ;-)

Das Bild anbei zeigt die unglaubliche Fähigkeiten unseres Gehirns. Immer wieder ist es faszinierend und beeindruckend, wozu unser Geist und unser Körper fähig sind. 
Ich behaupte, dass unsere menschlichen Möglichkeiten weit über unser Vorstellungsvermögen hinausgehen. Tanz ermöglicht dir, ein wenig in diese Bereiche hinein zu sehen, die dir vorher unglaublich erschienen.

Ein lieber Tänzer von uns, Thomas Stainer, hat dazu etwas Tolles geschrieben, welches ich anbei als Gastbeitrag veröffentlichen möchte. Lieben DANK, Thomi, ich hätte es nicht besser formulieren können.

In diesem Sinne, wünschen wir allen den Mut zur Lücke, der unendliche Freiheit in Harmonie ermöglicht!:-)

Thomas Stainer:

Spontan, nach einem - wie immer - genialen Tanzabend mit Dagmar bei Tanzschule Conny & Dado
das Besondere an dem Phänomen (Bild anbei) für mich: ist schon faszinierend, wenn man das Leseverhalten betrachtet... aber transponiert man das in den Bereich des Tanzes, erklärt sich für mich unheimlich vieles (weil selbst darin lange genug (schon) gefangen)! 

Beim Tanzen bewegen wir uns zunächst immer nur in engumschriebenen Bewegungsvorgaben (Figuren), die in etwa mit den Buchstaben eines Alphabets vergleichbar sind. Mit etwas/viel Mut zur Lücke, der richtigen Musik und dem dafür aufgeschlossenen Partner verlieren die Buchstaben ihre Bedeutung, sogar die Wörter. 

Zum Vorschein kommt der Inhalt eines Satzes, eines Buches. Wir verlassen das Figuren-Tanzen und kommen an den Ursprung des Tanzes: Freie Interpretation im Rahmen der Vorgaben (und des Wohlfühlens des Partners)... es "passieren" Schritte und Drehungen im Tanz, von denen keiner der beiden weiß, wie sie entstanden sind noch wie sie heißen könnten... aber sie passen perfekt zur Musik, zur Situation, zum Partner.

D.h. nicht, dass wir uns über Takt und Modulation der Musik hinwegsetzen können und dürfen! Aber 4/4, 6/8, 2/4 usw Takt bedeuten kein mechanisches Gefüge - wir haben darin Freiheit (und unser Gehirn - zurück zum Anfang: was für ein Phänomen!! - die Fähigkeit), gehörte oder besser gespürte Musik zu vertanzen.

Erst wenn wir vergessen, verzweifelt den perfekten Buchstaben zu zeichnen, lernen wir den Inhalt eines Satzes mit unserem Körper darzustellen.

Ein besonderes Dankeschön an Conny und Dado, die mir im Wesentlichen Lehrmeister darin waren und sind, und eine ganz besonders tiefe Verneigung vor Dagmar ohne die mir diese Erkenntnis nicht möglich gewesen wäre!





Mittwoch, 6. Mai 2015

Tanzschulgesetz

Die Wogen gehen hoch: Ein Gesetz ist Angriffspunkt für viele, die sich damit befassen oder auch für jene, die mit dem Schrei nach Freiheit im Grunde jedes Gesetz und jede Regelung als Einschränkung und damit als nichtig sehen.

Der Artikel anbei soll weder pro noch contra sein, sondern ein paar sachliche Gedanken zusammen fassen, die eventuell in der Hitze des Gefechts verloren gehen?

Doch was steckt dahinter?
Das Steirische Tanzschulgesetz gibt es schon sehr lange und wurde immer wieder überarbeitet. Dieses Mal wurde überprüft, ob es auch EU-konform ist. Diese Prüfung hat es bestanden und wird nun heftig diskutiert.

Wir sind eine Tanzschule. Dado und ich absolvierten gesetzeskonform die Tanzlehrerausbildung in Wien und erhielten den Titel "Diplomierte Tanzmeister". Wir haben gemäß all der Regeln und Auflagen unsere Tanzschule eröffnet und sind dennoch in vielen alternativen Tanzszenen wie auch international unterwegs. Trotzdem oder gerade deswegen sehen wir dieses Thema sehr kritisch differenziert. Obwohl schon oftmals die Diskussion in der Öffentlichkeit losgebrochen ist, haben wir uns bis dato noch nicht dazu geäußert. Jetzt ist der Zeitpunkt, den wir nutzen möchten, auch unsere Gedanken dazu niederzuschreiben.

Die Ausbildung zum Tanzlehrer ist ein Lehrberuf. Genauso wie ein Frisör, ein Tischler oder jeder andere Lehrberuf, absolviert man (mittlerweile) eine Art Gesellenprüfung und danach eine Meisterprüfung, die gewährleisten, dass man sich nicht nur mit dem Tanz an sich auseinandersetzt, sondern auch mit den wirtschaftlichen Dingen, die für das Führen eines Unternehmens notwendig sind.

In diesem Gesetz geht es um mehrere Punkte. Neben der Ausbildung werden auch die Tanzkultur und die Betriebsstätte bzw. Verantwortungen etc. behandelt. Demnach ist es eine gewisse Gewerbeordnung. Es prinzipiell zu negieren würde bedeuten, Gewerbeordnungen an sich in Frage zu stellen.

Hier von einem Monopol zu sprechen, finde ich deplatziert, denn jeder hat die Möglichkeit, wie bei jedem anderen Lehrberuf, eine Ausbildungsstelle zu finden.
Auch wir sind mit vielen Dingen, wie sie laufen, nicht immer einverstanden. Ob das nun die AKM, Arbeitnehmerregelungen, Steuern oder sonstige Gebühren sind, vieles ist nicht nachvollziehbar und (natürlich) nicht besonders angenehm. Dennoch haben wir beschlossen, in Österreich und im Land Steiermark zu leben. Was für uns soviel bedeutet, uns an die dort herrschenden Regeln, die ja für alle gelten, zu halten.

In meiner Tanzausbildung durfte ich sehr viel über die Geschichte des Gesellschaftstanzes lernen. Meine Masterthesis im Rahmen eines Managementstudiums "Die Tanzschule - ein Unternehmen im Wandel der Zeit" hat sich sehr tief und eingehend mit der Tanzschule von damals und heute beschäftigt.

Dadurch kann ich behaupten, dass Tanzschulen sehr wohl einen Wert für die Gesellschaft haben und etwas fördern, was es international in Ländern ohne Tanzschulen in diesem Sinne nicht gibt.
Unsere Ballkultur in Österreich ist einzigartig. Diese zu erhalten ist etwas, das uns sehr am Herzen liegt.  Inwieweit sich Polonaisen und Bälle verändern sollen und müssen lässt sich diskutieren. Auch steht die Frage im Raum, ob Tanzlehrer, die sich mit der Tradition von Bällen und Polonaisen beschäftigt haben, "besser" diese in die Moderne und  Zukunft führen.
Dennoch geht es eigentlich bei diesen Diskussionen meiner Meinung nach um etwas anderes.
Das Tanzschulgesetz betrifft nur die Gesellschaftstänze. Bühnentänze, Produktionen, Turniertanz und Volkstänze sind davon ausgeschlossen.

Kostenlos ist natürlich alles möglich. Sobald man es gewerblich betreibt, treten allerdings gewisse Spielregeln in Kraft.

Als Tanzallrounder beobachten wir das Tanzgeschehen sowohl national als auch international schon sehr viele Jahre. Aus dieser Erfahrung heraus können wir behaupten, dass viele verschiedene Aspekte bei einer Diskussion rund um das Tanzschulgesetz zu beachten sind. Es pauschal für gut oder schlecht zu erklären ist demnach nicht möglich.

Für mich unbestritten ist allerdings die Tatsache, dass ich es NICHT als fair ansehe, sich  in sozialen Strukturen verstecken zu können oder ohne Selbständigkeit gewerbliche Tätigkeiten "schwarz" auszuführen. Ich möchte niemanden angreifen oder jemanden etwas unterstellen, allerdings geht es für mich persönlich auch darum, dass gewerbliche Betriebe sich als gemeinnützige Vereine verstecken, um Steuern, AKM, Arbeitnehmergesetze und weiteres zu umgehen. Oder, dass wie in vielen anderen Berufen auch, es Menschen gibt, die als bezahltes Hobby bzw. für einen Nebenverdienst ohne Selbständigkeit, Steuern oder sonstige Rahmenstrukturen eine Leistung anbieten möchten.

Das finde ich nicht fair. Und eine Gewerbeordnung wie auch das Tanzschulgesetz regeln die gleichen Ausgangspunkte für jeden. Dann ist für mich ein "fairer" Wettbewerb möglich, der nicht nur zum Schutz des Unternehmers und dessen Arbeitnehmer, als Sicherheit für die Kunden und durch die finanziell gleiche Belastung einen Art Qualitätsvergleich zulässt.

Außerdem regeln diese Strukturen auch die Haftung. Was passiert, wenn jemandem etwas bei einer Hebefigur in einer Polonaise passiert? Ich wage zu behaupten, dass sichviele, die nebenbei Polonaisen einstudieren,  mit diesem Thema noch nicht beschäftigt haben.

Wer trägt die Verantwortung, dass Tanzunterricht dem Konsumierenden nicht gesundheitlich schadet? Die Interessenvertretungen sollen sicher stellen, dass man als Tanzlehrer auch diese Art von Schulungen besucht. Dass verschiedenste Aspekte von Tanz beleuchtet werden und dass man sich, sobald man etwas an einen anderen Menschen weitergibt, zumindest in irgendeiner Form auch mit den Auswirkungen beschäftigt hat.

Natürlich sind nicht jede Tanzschule, jeder Tanzlehrer, jeder Hip Hop Trainier und Tanzinstructor qualitativ gleichwertig. Genauso wie auch nicht jeder Friseur ein Starstylist ist. Dies ist dann sowieso eine Frage des freien Wettbewerbs.

Tanzen ist eine Dienstleistung, aber auch ein Schritt in eine nahe Begegnung, der sowohl körperlich als auch seelisch verletzen kann.

Und egal ob Gesetz oder nicht für uns ist wichtig, dass sich Tanzlehrer oder Tanztrainer bzw. Unterrichtende jeglicher Art sowohl mit sich, mit dem Tanz und mit der Pädagogik intensiv auseinander gesetzt haben und achtsam den Menschen begegnen.

Wir sind kein Fans von Einschränkungen des freien Wettbewerbs, unterstützen Tanz in jeglicher Form und fallen auch da immer wieder auf die Nase. Allerdings stellt ein negativer Pauschalangriff auf dieses Gesetz, einen Angriff auf das gesamte österreichische System von Ausbildung, Wirtschaft und Strukturen dar. 

Denn genauso wie ich mich verlassen können möchte, dass ein Schullehrer, Fitnesstrainer, Friseur oder Professor etwas von seinem Fach versteht, finde ich es wichtig, dass sich TänzerInnen darauf verlassen können, in einer Tanzschule oder in einem Tanzstudio von einem Fachmann betreut zu werden, der sich fachlich und intensiv mit der Begegnung auseinandergesetzt hat.

Inwieweit man andere Ausbildungen oder Nachweise anerkennt und in welcher Form das Tanzen gewerblich geregelt ist, ist natürlich immer diskutabel. Wir kennen bereits mehrere andere Strukturen von verschiedensten Ländern und wissen, dass es immer ein Pro und ein Contra gibt.

Allerdings geht es bei einem Lehrberuf nie nur um einen selbst sondern auch um die Verantwortung für einen anderen Menschen in diesem Bereich...deswegen wünschen wir uns, dass solche Themen möglichst fachlich, objektiv und weitblickend diskutiert werden und nicht Ziel von einseitigen Angriffen sind, die auch noch unter die Gürtellinie gehen...